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Eine neue Schule in Ottakring

Gestern vormittag wurde die neue Doppel-Volks- und Bürgerschule in der Koppstraße Nr. 75 und Herbststraße Nr. 86 in Ottakring eingeweiht. Auf einem großen Bauplatz, der von vier Straßen, der Koppstraße, Herbststraße, Brüßlgasse und der verlängerten Klausgasse begrenzt wird, erhebt sich dieses mächtige Gebäude, in welchem vier Anstalten untergebracht sind. Es besteht aus zwei je drei Stock hohen Doppelschulgebäuden mit den Fronten in den beiden Hauptstraßen. Jeder dieser Hauptfronten ist ein zehn Meter tiefer Garten vorgelagert. Der Zwischenraum zwischen den beiden Gebäuden ist in drei terrassenförmig durch Rasenböschungen getrennte, längliche Felder abgeteilt, von denen das mittlere für einen Schulgarten, die beiden an die Gebäude angrenzenden als Sommerturnplätze Verwendung finden. Die beiden Gebäude enthalten je 27 Lehrzimmer, 6 Lehrmittelzimmer, 2 Turnsäle samt Ankleideräumen, 2 Ausspeisesäle samt Küche und Nebenräumen, 2 Schulwerkstätten, 2 Schuldienerwohnungen ec. Die Kosten betragen zirka fünfviertel Millionen Kronen.

 

Zur Einweihung hatten sich eingefunden:

    • Bürgermeister Dr. Lueger mit
    • Magistratsrat Dr. Vibl,
    • Landesschulinspektor Dr. Rieger,
    • mehrere Gemeinderäte,
    • Bezirksvorsteher Hofinger mit den Bezirksräten,
    • Obermagistratsrat Asperger,
    • Bezirksamtsleiter Magistratsrat Dr. Mang,
    • Polizeibezirksleiter Polizeirat Semek,
    • Bezirksschulinspektor Schmidt,
    • Oberbaurat Sykora,
    • Herr Kattor, der Obmann der Ortsgruppe des städtischen Knabenhortes, welche eine Ehrenkompanie von 80 Zöglingen stellte,
    • die provisorischen Schulleiter
      • Michael Tremml (Knabenbürgerschule),
      • Richter (Mädchenbürgerschule),
      • Bulwais (Knabenvolksschule) und
      • Florian (Mädchenvolksschule),
    • der Lehrkörper der vier Schulen,
    • Abordnungen der freiwilligen Feuerwehr Ottakring ec.

Pfarrer Edelbauer nahm die kirchliche Weihe vor, worauf mehrere Ansprachen folgten. Landesschulinspektor Dr. Rieger hob hervor, daß der neue Schulpalast in einer Gegend sich befindet, wo ärmere Bevölkerung wohnt, und daß gerade hier den Bedürfnissen in mustergültiger Weise entsprochen wurde. Die Bürgerschullehrerin Hermine Wessely und der Bürgerschullehrer Kretschmer trugen dann Gedichte vor und schmückten die Kaiserbüste mit einem Lorbeerkranz; auch die Schüler und Schülerinnen der ersten und zweiten Volksschulklasse Ludwig Schmidt, Rudolf Ulrich, Karl Mazanec, Ludmilla Schweijva, Josefine Riedl und Karoline Eha sagten Gedichte auf. Dann sprach Bürgermeister Lueger, der zum Schlusse des Regierungsjubiläums des Kaisers gedachte und ein dreifaches Hoch auf den Monarchen ausbrachte.

 

(Wiener Tagblatt 8.November 1908)